Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Vertrag

Am 7. 7.2017 wurde der Atomwaffenverbotsvertrag verabschiedet – ein historischer Durchbruch! Was steht in diesem Vertrag und wie wird er umgesetzt? Internationale Übereinkommen und das Völkerrecht sind zuweilen etwas kompliziert. Darum haben wir Antworten auf häufig gestellte Fragen für Sie zusammengestellt.

Was verbietet der Vertrag?

Der Atomwaffenverbotsvertrag verbietet die Entwicklung, das Testen, die Produktion, die Herstellung, die Aneignung, den Besitz, die Lagerung, den Transfer, den Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen. Er untersagt es Vertragsstaaten auch, jemand anderen bei diesen Tätigkeiten zu unterstützen, dazu zu ermutigen oder zu verleiten. Ausserdem dürfen Vertragsstaaten nicht zulassen, dass auf ihrem Gebiet Atomwaffen von anderen Staaten eingesetzt oder stationiert werden.

Ist der Vertrag rechtlich bindend?

Ja. Nach dem Inkrafttreten des Vertrags sind Staaten, die ihn unterzeichnet und ratifiziert haben rechtlich dazu verpflichtet, den Vertrag einzuhalten . Der Vertrag ist nicht rechtsverbindlich für Staaten, die ihm nicht beitreten.

Wann können Staaten den Vertrag unterzeichnen?

Am 20. September 2017 wird der Vertrag an der UNO in New York zur Unterzeichnung aufgelegt. Ein Staat kann den Vertrag aber auch zu einem späteren Zeitpunkt unterzeichnen oder ihm erst nach dessen Inkrafttreten beitreten.

Wie viele Staaten müssen den Vertrag ratifizieren, damit er in Kraft tritt?

Fünfzig Unterschriften und Ratifikationen sind nötig, damit der Vertrag in Kraft tritt und rechtsgültig wird.

Wie kann die Schweiz dem Vertrag beitreten?

In der Schweiz obliegt es dem Bundesrat, den Vertrag zu unterzeichnen, ihn der Bundesversammlung zur Genehmigung zu unterbreiten und ihn anschliessend zu ratifizieren.

Die Genehmigung der Bundesversammlung ermächtigt den Bundesrat, den Vertrag zu ratifizieren und wird vom Bundesrat üblicherweise mittels einer Botschaft beantragt. Der Bundesrat trifft die Entscheidung über eine Ratifikation im Prinzip bereits im Zeitpunkt, in welchem er über die Unterzeichnung beschliesst und die Botschaft verabschiedet.

Bei wichtigen völkerrechtlichen Verträgen wie dem Atomwaffenverbotsvertrag müssen die Kantone, die politischen Parteien sowie die interessierten Kreise zur Stellungnahme eingeladen werden. Dieses Vernehmlassungsverfahren kann vor oder nach der Unterzeichnung des Vertrags durchgeführt werden.

Kann ein Staat, der Atomwaffen besitzt dem Vertrag beitreten?

Ja, vorausgesetzt der Staat erklärt sich damit einverstanden, die Einsatzbereitschaft seiner Atomwaffen unverzüglich aufzuheben, und sie gemäss einem rechtlich verbindlichen und verifizierbaren Plan innerhalb eines zeitlich begrenzten Rahmens zu zerstören.

Kann ein Staat, auf dessen Gebiet ein anderer Staat Atomwaffen stationiert hat, dem Vertrag beitreten?

Ja, vorausgesetzt er erklärt sich damit einverstanden, die fremden Atomwaffen innerhalb einer bestimmten Frist aus seinem Gebiet zu entfernen.

Kann ein Staat dem Vertrag beitreten und weiterhin einem Militärbündnis mit einem Atomwaffenstaat (z.B. der NATO) angehören oder mit einem Atomwaffenstaat militärisch kooperieren?

Ja. Der Atomwaffenverbotsvertrag verbietet weder militärische Allianzen, noch andere Formen der militärischen Kooperation mit Atomwaffenstaaten, vorausgesetzt Vertragsstaaten tätigen keine verbotenen Handlungen.

Sieht der Vertrag Massnahmen zur Verifizierung oder Sicherungsabkommen vor, um sicherzustellen dass Vertragsstaaten keine Atomwaffen entwickeln?

Ja. Der Vertrag verlangt, dass Staaten, die im Rahmen des Kernwaffensperrvertrags (NPT) Sicherungsabkommen abgeschlossen haben, diese auch weiterhin einhalten, und gegebenenfalls zusätzliche Abkommen abschliessen. Vertragsstaaten, die noch keinem Sicherungsabkommen unterstellt sind, müssen innerhalb von 18 Monaten ein solches abschliessen. Der Atomwaffenverbotsvertrag entlässt Vertragsstaaten also nicht aus ihren Verpflichtungen aus Sicherungsabkommen, die sie im Rahmen des NPT abgeschlossen haben.

Hilft der Vertrag den Opfern von Atomwaffeneinsätzen oder –tests?

Ja. Vertragsstaaten sind verpflichtet, von Atomwaffeneinsätzen und von Atomwaffenversuchen betroffene Menschen angemessen zu unterstützen, u.a. mit medizinischer Versorgung, Rehabilitation und psychologischer Betreuung. Sie müssen auch für deren soziale und wirtschaftliche Integration sorgen.

Die Präambel des Vertrags anerkennt das menschliche Leid, das durch Atombombenabwürfe und –tests verursacht wurde, insbesondere die überproportionalen Auswirkungen von Atomwaffenaktivitäten auf indigene Völker. Die Präambel anerkennt auch die unverhältnismässig starken Auswirkungen von Atomwaffen auf Frauen und Mädchen.

Das Ziel des Atomwaffenverbotsvertrags ist erreicht! Wie geht es nun weiter für die Internationale Kampagne (ICAN)?

Unsere Arbeit ist nicht zu Ende. ICAN konzentriert sich jetzt darauf, dass der Vertrag in Kraft tritt, umgesetzt wird und sich eine starke Norm gegen Atomwaffen entwickelt. Das geschieht nicht über Nacht.

Als ersten Schritt arbeitet ICAN darauf hin, dass alle Staaten, die für humanitäre Werte und die Menschenrechte eintreten, jetzt auf ihre Worte Taten folgen lassen, und den Vertrag am 20. September in New York unterzeichnen. Danach geht es darum, dass mindestens fünfzig Staaten, den Vertrag so schnell wie möglich ratifizieren.

Jeder Schritt trägt zur Entwicklung einer neuen Norm bei, die das Sicherheitsempfinden und das Verhalten der Staaten beeinflusst und zur nuklearen Abrüstung beiträgt.

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