Mehr als 70 % der Schweizer Stimmbevölkerung unterstĂŒtzen den Beitritt zum UNO-Atomwaffenverbotsvertrag.
Eine in Le Temps veröffentlichte Umfrage zeigt, dass 72 % der Schweizer Stimmberechtigten den Beitritt der Schweiz zum UNO-Vertrag ĂŒber das Verbot von Atomwaffen (TPNW) unterstĂŒtzen.
Die Umfrage folgt auf die AnkĂŒndigung der Schweizer Allianz fĂŒr das Atomwaffenverbot, dass sie in der vergangenen Woche die erforderliche Anzahl Unterschriften fĂŒr die Einreichung einer Volksinitiative gesammelt hat, und die Volksinitiative am 23. Dezember in Bern eingereicht wird.
Dies erhöht den Druck auf den Bundesrat, den TPNW zu unterzeichnen â nach mehreren Jahren, in denen der Bundesrat dies abgelehnt hat, obwohl die Schweiz bei den Verhandlungen und der Annahme des Vertrags im Jahr 2017 eine fĂŒhrende Rolle spielte und das Parlament 2018 dem Beitritt zugestimmt hatte.
Die Umfrage zeigt: Sollte der Bundesrat weiterhin auf eine Unterzeichnung verzichten und es zu einer Volksabstimmung kommen, hĂ€tte diese vor dem Volk grosse Chancen angenommen zu werden.Â
GemĂ€ss der vom Institut Demoscope durchgefĂŒhrten, reprĂ€sentativen Umfrage sprechen sich lediglich 17 % der Stimmberechtigten gegen einen Beitritt zum TPNW aus, weitere 12 % sind unentschieden.

Die Umfrage zeigt, dass in allen Parteien eine Mehrheit der WĂ€hlerschaft den Beitritt unterstĂŒtzt: SVP 51 %, FDP 68 %, Die Mitte 78 %, SP/GrĂŒne/GLP 92 %, Andere 70 %. Die UnterstĂŒtzung ist sowohl in der Deutsch- wie auch in der Westschweiz sowie in stĂ€dtischen und lĂ€ndlichen Gebieten gleichermassen hoch.

Am stĂ€rksten ist die UnterstĂŒtzung bei MĂ€nnern ĂŒber 55 Jahren mit höherer Bildung â jener Bevölkerungsgruppe, die sich erfahrungsgemĂ€ss am hĂ€ufigsten an Volksabstimmungen beteiligt. Die Zustimmung ist jedoch in allen Alters- und Bildungsgruppen hoch. Selbst bei jungen Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau liegt der Anteil der Gegnerinnen und Gegner bei lediglich 19 %.
Annette Willi von der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) und Mitglied des Initiativkomitees fordert den Bundesrat auf, der humanitÀren Tradition der Schweiz gerecht zu werden:
âDer TPNW verbietet sĂ€mtliche atomwaffenbezogenen AktivitĂ€ten und ist vollstĂ€ndig mit dem schweizerischen Recht vereinbar. Die Mehrheit der Staaten weltweit hat ihn bereits unterzeichnet oder ratifiziert â auch die Schweiz sollte dies tun. Wenn der Bundesrat den in dieser Umfrage klar zum Ausdruck kommenden demokratischen Willen der Bevölkerung ignoriert, verzögert er lediglich das Unvermeidliche. Stattdessen sollte er jetzt das Richtige tun und den Vertrag unterzeichnen.â
Joris Fricker, politischer SekretĂ€r der GSoA, unterstreicht die Ergebnisse der Umfrage:Â
âBeim Sammeln von Unterschriften auf der Strasse war dann ErklĂ€rungsbedarf vorhanden, wenn es darum ging, den Passant*innen zu erklĂ€ren, wieso der Bundesrat den TPNW nicht schon lĂ€ngst unterzeichnet hat. Zugegeben: Hier fand sich offensichtlich keine ĂŒberzeugende ErklĂ€rung. Umso weniger musste man den TPNW und dessen Wichtigkeit erklĂ€ren: Die Leute unterschrieben gerne.âÂ